Michael Stadnik Regisseur & Kameramann

»DER LANGE FEBRUAR« – Dokumentarfilm über Butscha

Deutsches Poster

Der lange Februar, Dok, 79 Min., DCP, 5.1., DE/UA, 2025

Februar 2022: ein Monat, der kein Ende zu nehmen scheint.

Was geschieht mit Menschen, wenn ihr Alltag innerhalb weniger Stunden zerbricht? Der lange Februar erzählt von den Erfahrungen einer Gemeinschaft, die mit dem Beginn der russischen Vollinvasion alles Vertraute verliert – und von der langen Zeit danach.

Der Film zeigt, wie Menschen ohne Strom, Wasser, Nahrung und unter den extremen Bedingungen der Besatzung überleben mussten, ihre Familien zu schützen versuchten und ihre Gemeinschaft inmitten von Gewalt und Unsicherheit aufrechterhielten. Dabei geht der Film der Frage nach, wie Menschen mit der Erinnerung an extreme Erfahrungen weiterleben.

Ein Jahr nach der Befreiung der Region erzählen die Überlebenden von den ersten Stunden der Invasion und dem Alltag unter russischer Besatzung. Ihre persönlichen Zeugnisse werden mit privaten Foto- und Videoaufnahmen verbunden, die während dieser Zeit entstanden sind. Die Bilder der Protagonistinnen und Protagonisten verleihen ihren Erinnerungen eine unmittelbare Nähe und machen erfahrbar, wie sie die Ereignisse selbst erlebt haben.

Ergänzt werden diese persönlichen Perspektiven durch Archivaufnahmen aus Überwachungskameras und anderen Quellen, die den Verlauf der Invasion dokumentieren – vom russischen Luftlandeangriff auf den Flughafen Hostomel bis zum Vormarsch der Truppen in die Region Butscha. Die Aufnahmen verbinden die individuellen Erfahrungen der Überlebenden mit den Ereignissen, die ihre Gemeinschaft geprägt haben, und zeigen auch die Gewalt, der die Zivilbevölkerung während der Besatzung ausgesetzt war.

Pressestimmen & Reaktionen: DEUTSCHE WELLE, Kölner Stadtanzeiger, RADIO CORAX HALLE, Gesellschaft für Menschenrechte, Martin-Niemöller-Stiftung, Poglyad (Ukr. Fernsehen), Bericht im Gel[b]lau Magazin, Erfahrungsbericht Ukraine

Nächste VORFÜHRUNG: Hessische Dokumentarfilmtage

Am 24.09.2026 wird der Film im Rahmen
der 7. Hessischen Dokumentarfilmtage im Schader-Forum gezeigt.
18 Uhr, Eintritt frei (mit Anmeldung bei Schader-Stiftung)

Mit anschließender Podiumsdiskussion, es sprechen:
Politologin Dr. Anja Mihr, Center on Governance through Human Rights
Dr. Stefan Meister, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik
und Regisseur Michael Stadnik

Adresse: Schader-Stiftung, Goethe-Straße 1-2, Darmstadt

👉 Anmeldeformular Kinotour für Veranstalter: Der Film steht ab sofort für Sonderveranstaltungen, Screenings und (nicht-)kommerzielle Vorführungen (hier klicken) zur Verfügung — insbesondere für Vereine, Kirchen, Bildungseinrichtungen, Initiativen und Organisationen aller Art. Um Ihre Anfrage möglichst gezielt bearbeiten zu können, bitten wir Sie, das Anmeldeformular auszufüllen.
Journalistische Anfragen: kinotour[at]langer-februar[.]de

Besondere Filmpremiere: Simultan in Frankfurt und Butscha

Die Premiere fand simultan zum Anlass des Tags der Menschenrechte im Frankfurter Filmmuseum und – in Kooperation mit dem Kulturamt – in einem Kino in Butscha statt. Per Videolink waren die Events in Deutschland und der Ukraine miteinander verbunden – ein in dieser Form bislang einzigartiges Format, das die enge kulturelle und menschliche Verbundenheit zur Ukraine sichtbar macht.

Zur Veranstaltung im Filmmuseum kamen auch Ehrengäste, wie der ukrainische Konsul Taras Zholubak, die Kulturreferentin Frankfurts Dr. Ina Hartwig, sowie der Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour. Aus Butscha live zugeschaltet sprach Bürgermeister Anatolij Fedoruk.

Russische Einheiten bei der Einfahrt ins eroberte Butscha, 4.4.2022

Inhalt des Films und Protagonisten: „Der lange Februar“ beginnt mit einer Sequenz privater Aufnahmen, die den russischen Luftlandeangriff auf den Flughafen Hostomel am 24. Februar 2022 dokumentieren. Der Film wird zunächst ausschließlich aus der Perspektive der Anwohner und ohne Kommentar erzählt; der Auftakt lässt das Publikum in die Verwirrung, die Angst und die überwältigende Ungewissheit der ersten Stunden der großangelegten Invasion Russlands eintauchen.

Verteidiger Butschas bei einer Ehrung

Die Protagonisten geben Einblicke in ihre Ängste unter der Besatzung, den Hunger und den täglichen Kampf um Grundbedürfnisse wie die Beschaffung von frischem Wasser – und das alles, während sie von russischen Soldaten beschossen werden.

Protagonist zeigt Spuren russischen Beschusses im Haus

Der Film erzählt auch die Geschichte des Chors der Saint-Andriy-Kirche. Vor der Kirche musste die lokale Regierung aufgrund der Zahl der Zivilisten, die während der Besatzung von russischen Soldaten erschossen wurden, ein Massengrab ausheben. Ein Mitglied des Chores, Andriy S., wurde zusammen mit mehreren seiner Verwandten kaltblütig ermordet. Ihre Leichen wurden aufgestapelt und verbrannt, vermutlich um die Beweise für das Verbrechen zu vernichten. Ich konnte eine Überlebende aus dieser Familie ausfindig machen, die erzählt, wie sie mit dem Trauma des Verlusts ihrer nahen Verwandten, und ihres Ehemanns, umgeht.

Chor der Sankt-Andreas-Kirche sang Lieder für den Soundtrack ein

Chor in St. Andrij-Kirche

Speziell für den Dokumentarfilm sang der Chor zum Gedenken an die Opfer (Bild rechts). Mehrere Lieder wurden Teil des Soundtracks. Während der letzten Aufnahmen erschien ein Lichtstrahl in der Lücke zwischen den Sängerinnen und Sängern – ein ungeplanter Moment, der der Szene etwas Himmlisches verlieh.

Regie-Kommentar:

Dieses Projekt war für mich besonders wichtig, und die Produktion lag mir sehr am Herzen. Meine eigenen Verwandten mussten aus Irpin (der Nachbarstadt von Butscha) fliehen und befanden sich in unmittelbarer Gefahr.
Persönliche Kontakte in der Region spielten bei der Produktion eine wichtige Rolle, da ich Protagonisten einbeziehen konnte, die zuvor noch nie mit Medien gesprochen hatten, wie beispielsweise dem Polizisten Vadym Subotin.

Die Postproduktion wurde von Hessen Film & Medien, dem Filmfonds des Bundeslandes Hessen, finanziert.

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Der Film sucht derzeit einen internationalen Verleiher. Verleiher können einen Screener-Link per E-Mail anfordern: info[at]michael-stadnik[dot]de

https://player.vimeo.com/video/1056957164?h=3c163f7cbd“
Der ältere Trailer mit englischen Untertiteln

Hintergrund des Projektes:

Wie kam es dazu, dass ich dieses Projekt anging?

Prelude

Als Filmemacher mit ukrainischen Wurzeln, liegt mir die Ukraine je her am Herzen. Seitdem Russland 2014 angriff, bangte ich um das Land.

Bereits 2021 zog der russische Angriffskrieg drohend auf, weswegen ich bereits damals Projekte plante, um Geschichten aus dem Land zu erzählen, das Europa vergessen hatte. Besser gesagt, das Land, das man vergessen wollte, weil wirtschaftliche Interessen wichtiger erschienen.

Anfang Feburar 2022 war klar, dass es einen Krieg geben würde. Ich telefonierte mit meinen Verwandten in Irpin und versuchte meine Reise zu organisieren. Doch plötzlich wurden alle Flüge eingestellt. Wegen der Einschränkung von Reisemöglichkeiten schaffte ich es nicht mehr bis zur Totalinvasion. Letztlich „rettete“ mich auch die Bürokratie davor in ein Land zu reisen, das von allen Seiten angegriffen werden würde, da ich kein Pressevisum erhalten konnte.

Der 24.02.2022

Vor der totalen Invasion lag ich bereits bis spät in die Nacht wach, um die aktuelle Entwicklungen zu verfolgen…in jener Nacht des 24.02.2022 schlief ich nicht. Dann gab es die ersten Berichte über Bombardierungen von Städten und vom Grenzübertritt der russischen Armee. Geschockt und tränenüberströmt schickte ich Nachrichten an Verwandte in der Ukraine.
In den kommenden Monaten engagierte ich mich als Volunteer und fuhr humanitäre Spenden zur ukrainischen Grenze. Laß täglich alle Nachrichten und twitterte, in der Hoffnung das Interesse auf dem Angriffskrieg zu halten.
In der Nacht des 24.02.22 dachte ich noch, die Ukraine würde wieder allein gelassen werden, so wie 2014. Das kam zu Glück anders.

»Der lange Februar – Das Klagelied von Butscha« (früherer AT)

Das Jahr 2022 erscheint im Rückblick nun wie „verflogen“, die Zeit verging rasant und doch erscheint es mir noch, als wäre jener Februar nie zu Ende gegangen. Daher stammt auch die Inspiration für den Titel Der lange Februar.

Butscha, kurz nach der Befreiung April 2022

2023 reiste ich in die Ukraine und drehte fast 4 Wochen lang in den ehemals besetzten Gebieten bei Kyjiw:

Das Gesamtprojekt befasst sich mit den Erlebnissen und Geschichten von Menschen, die die russische Besatzung in Butscha, Irpin, Borodianka und Makariv erlebten. Der Butscha-Film erscheint als Kino-Dokumentarfilm, die Geschichten der anderen Orte werden als YouTube-Reportagen veröffentlicht werden.

Für das Projekt wurden von mir über 20 Menschen interviewt: darunter Vadym Subotin, dem „letzten Polizisten“ von Butscha, der auch noch während der Besatzung verdeckt arbeitete. Außerdem sprach ich mit Yuliia, der Besitzerin eines charmanten Cafés, das völlig zerstört wurde. Ich lief mit Vitaliy, einem Verteidiger Irpins, durch die Ruinen der Stadt. Von Andriy T. erfuhr ich, wie sein Bruder kaltblütig ermordet wurde; von Svitlana, wie sie die Bombardierung des Nachbarhauses beobachtete und von Ljudmyla aus Kyjiw, wie sie von russischen Soldaten angeschossen wurde und eine Odysee durch Belarus bis Deutschland erlebte…

„Ich kann erst seit kurzem weinen“

Der Schock der Okkupation löst sich bei manchen erst langsam auf, lange nach der Befreiung. Manche können bereits offen über die Geschehnisse reden und wollen auch, dass die gesamte Welt davon erfährt. Anderen verschlägt es noch die Sprache.
Manche wollen gar nicht über die Geschehnisse reden, entweder weil sie relatives Glück im Unglück hatten, weil niemand in der Familie getötet wurde und „nur“ das Haus beschädigt wurde, oder weil das Trauma noch sehr tief sitzt.

Großes wie „kleines“ Leid, Schamgefühl, Schock, Mut, Trauer: alles liegt nebeneinander in Butscha, Irpin und Borodianka …und vielen anderen von Russland besetzten Orten.

Kurzer Einblick, in die Geschichten, die ich erzähle:


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zerstörte Häuser in irpin
Zerstörte Häuser in Irpin, 2023. Foto © Michael Stadnik

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